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Hitlers letzte Reise


Billenburg am 20. April 1945. Führergeburtstag. Aber wem ist zum Feiern zumute? Die Menschen haben andere Sorgen. Deutschland hat seinen totalen Krieg verloren. Britische Panzer stehen an der Elbe. In 12 Tagen werden sie nach kurzen, heftigen Kämpfen in die kleine holsteinische Stadt einfahren. Dann sind deren Bewohner besiegt, besetzt oder befreit. Das hängt vom Schicksal jedes Einzelnen ab.

Denn es sind sehr unterschiedliche Menschen, die zum Personal dieses spannenden zeitgeschichtlichen Romans gehören. Dennoch haben alle eines gemeinsam: die deutsche Geschichte. Jeder von ihnen ist auf seine Weise durch sie verletzt oder beschädigt. Gezeichnet von jenem 30jährigen Krieg, der Europa zwischen 1914 und 1945 erschütterte. Und alle werden in den bevorstehenden 12 Tagen dramatischen Stunden entgegensehen.

Interview mit dem Stormarner Tageblatt

Ihr neuer Roman „Hitlers letzte Reise“ spielt in einer fiktiven schleswig-holsteinischen Gemeinde, in Billenburg des Jahres 1945. Wie ausgeprägt war der Nationalsozialismus im nördlichsten Bundesland?

Schleswig-Holstein – das ist inzwischen recht gut erforscht – war eine Hochburg des Nationalsozialismus. Sehr früh war die preußische Provinz zwischen den Meeren neben Bayern das zweite Standbein der NSDAP. Ob Oldesloe oder Ahrensburg, ob Trittau oder die vielen kleinen Bauerndörfer: In der Regel stand die Hitler-Bewegung, wie man damals sagte, schon vor der großen Krise in den Startlöchern. Die organisatorische Infrastruktur, das Netz von Ortsgruppen und Stützpunkten, war fertig. Als die Krise dann 1929/30 ausbrach, wurde die NSDAP schnell zu beherrschenden politischen Kraft.

Sie erzählen das Ende des Zweiten Weltkrieges am Beispiel unterschiedlichster Charaktere. Der Lehrer und fanatische Nazi Pätzke, der kaisertreue Oberst von Schaddingsdorff, Pastor Feldmann, Arbeiter Büttner oder Bürgermeister Wendel – scharf gezeichnete Persönlichkeiten, deren politische Zuordnung leichtfällt. Sind ihre Protagonisten nicht zu stark kategorisiert?

Sie sind – das gebe ich zu – in gewisser Weise Typen. Den Typus Pätzke hat es zehntausendfach gegeben, den Wendehals Wendel gibt es noch heute. Das ist ja eine Botschaft des Buches, daß diese Typen nie aussterben. Dennoch hoffe ich, daß meine Figuren auch Charaktere sind.

Wieviel der Figuren ist Realität, wieviel Fiktion?

Es sind fiktive Romanfiguren. Doch das Material, aus dem sie geformt sind, ist bisweilen real, denn warum soll ich erfinden, was ich im geschichtlichen Material viel besser finde? Das betrifft vor allem das Anekdotische, das Geschichtchen, das in so vielen Zeitzeugenquellen, Tagebüchern oder Briefen steckt.

Wie kommen sie an ihre Informationen und Quellen?

Das sind wie gesagt Zeitzeugenberichte, Pressequellen oder Erinnerungsliteratur, die unmittelbar nach dem Krieg entstanden ist. Eine fiktive Erzählung wirkt einfach überzeugender, wenn sie mit authentischem Material unterfüttert ist.

Wie lange haben Sie für Ihr Buch recherchiert, wie lange geschrieben?

Die ersten Berichte über die Nazi-Zeit, den Krieg, den Einmarsch der Engländer, die Nachkriegszeit habe ich als Kind gehört. Manchmal glaube ich, da haben meine Recherchen bereits begonnen. Vor 20 Jahren kamen meine regionalgeschichtlichen Forschungen dazu. Insofern gab es eine lange Inkubationszeit. Als ich dann begann, den Roman zu schreiben – das war vor einem Jahr –, habe ich parallel zu den ersten Entwürfen sehr viel gelesen. Genauso wichtig war aber die künstlerische Gestaltung, die dann natürlich zur eigentlichen Arbeit wurde.

Sie haben mit Zeitzeugen gesprochen, Quellen gelesen, versucht sich in die Zeit zu versetzen. Kommt nicht unweigerlich die Frage auf: Wie hätte ich mich damals verhalten, als Lehrer, Schriftsteller oder Privatmann Hans-Jürgen Perrey?

Ja, natürlich. Ich empfinde Angst bei dieser Frage, denn bei der Abwicklung der DDR wurde man ja ebenfalls mit diesem Thema konfrontiert. Ich habe – was Demokratie und Rechtsstaat angeht – bisher immer auf der Sonnenseite der deutschen Geschichte leben dürfen, mußte nicht unter den Bedingungen von Diktatur und Unrecht existieren. Ich glaube, daß dort auch das Problem liegt, wenn wir über die »dunklen Jahre« 1933-45 oder das DDR-Regime diskutieren und urteilen: Daß wir uns oft gar nicht ausmalen, was es heißt, unter solchen Bedingungen zu leben, nur über begrenzte Einsichten zu verfügen, Propaganda ausgesetzt zu sein und ebenso den Verlockungen einer Tyrannei, denn sie hat ja vielen Menschen auch etwas zu bieten: Macht, Karriere, Ansehen, Privilegien, Sicherheit.

 


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